Sizilien

Ein Sonntagmorgen in Palermo

Hinter den Masten der Yachten erhebt sich der charakteristische Kopf des Monte Pellegrino, jenes Berges, der der heiligen Rosalia gewidmet ist und den bereits Goethe bestiegen hat (wobei er die Schönheit der Heiligen bewunderte, wie es uns eine Inschrift über den reisenden „Volfango“ heute noch in Erinnerung ruft). 

Es ist angenehm warm, eine entspannte und ein wenig feierliche Stimmung liegt in der Luft. Auf einem der Gebäude sind die beiden ikonische Mafia-Jäger, Giovanni Falcone und Paolo Borsellino zu sehen, nach dem berühmten Foto von Tony Gentile. Beide sind 1992 ermordet worden – Falcone von einer gewaltigen Sprengfalle auf der Autobahn, die von Palermo zum Flughafen führt, der heute die Namen der beiden Ermittler trägt. 

Doch nun scheint die Sonne, die Vergangenheit scheint weit weg. Die Straße, die zum Zentrum des alten historischen Palermo führt, zu den „Quattro Canti“, den vier Ecken, ist heute eine Fußgängerzone. Die Gebäude sind gereinigt und strahlen wieder im honiggelben Ton des sizilianischen Sandsteins, vor allem die barocken „Vier Ecken“. Für mich ein Erlebnis, kenne ich sie doch noch vom Autoverkehr umtost und pechschwarz. 

Läden und Restaurants haben Tische und Stühle herausgestellt, ohne Autos ist ja jetzt richtig Platz. Und die Palermitaner nutzen ihn. Touristen sind noch kaum unterwegs, es ist gerade einmal Februar und die Saison hat noch nicht begonnen. 

Ich biege ab und komme zum Teatro Massimo – jenem berühmten Opernhaus, tatsächlich einem der besten Häuser Italiens, das dann über 20 Jahre lang geschlossen war. Heute wird es bespielt und es findet offenbar gleich sogar eine Matinée statt. Davor haben die historischen Kioske geöffnet, Passanten gehen oder joggen vorbei, manche fahren Skateboard. 

Teatro Massimo

Über 20 Jahre war dieses Opernhaus geschlossen, das schon im 19. Jahrhundert zu den ganz großen Häusern Europas zählte. Selbst im Kino lieferte es in Der Pate III den Schauplatz einer (blutrünstigen) Szene.

Heute wird wieder Musik gemacht. Der Platz davor mit seinen historischen Kiosken erinnert an die Zeit des bürgerlichen Palermo der Jahrhundertwende.

Borgo Parrini

Im Hinterland von Palermo, nicht weit von Partinico, liegt Borgo Parrini – oder Borgo dei Parrini, „Dorf der Pfaffen“. Um einen Konvent der Jesuiten hat sich dort eine kleine Ortschaft entwickelt, doch die Siedlung war lange aufgegeben und verfiel. Erst in den letzten Jahren haben private Initiativen den Ort wiederbelebt und frei nach Gaudì einen fantasievollen Stil entwickelt, der Farben und Formen Siziliens aufnimmt und zitiert. 

Einige Schmuckstücke können heute besichtigt werden. Ein normales Dorfleben hat sich indessen nicht wieder gebildet. Trotzdem: Es lohnt sich, in eines der Häuser zu gehen, denn die Anlagen der Häuser sind alt. Und auf den Dachterrassen, kann man über das Hinterland blicken, das einst von den mächtigen Clans und Leuten wie Salvatore Giuliano beherrscht worden ist. 

Wandgemälde erinnern an das Leben von früher in dem Borgo. In einem der Häuser kann man zudem eine sehr beeindruckende Sammlung von Pupi Siciliani sehen.