Frankreich
Unser westlicher Nachbar ist mit seinen vielen verschiedenen Regionen nicht nur eine Grande, sondern auch eine sehr vielfältige Nation. Mit Nordsee-, Atlantik- und Mittelmeerküste lassen sich ganz unterschiedliche Landschaften erleben.
Dazu kommt: Frankreich ist DAS Land der Literatur in Europa. Nicht nur, dass Literatur und intellektuelles Leben eine große Wertschätzung erfahren – in Frankreich finden derzeit auch die spannendsten literarischen Schöpfungen statt.
Bretagne
Ist die Bretagne eigentlich Frankreich? Natürlich, heute gehört sie selbstverständlich zu Frankreich. Doch bei genauerem Hinsehen bildet sie etwas Besonderes in Frankreich bis auf den heutigen Tag und den Bretonen ist dies auch immer noch ganz bewusst.
Noch im 19. Jh. galt die Bretagne als rückständig und die Menschen, die von dort nach Paris kamen, wurden offen diskriminiert. Die Bretagne wurde zum Auswandererland, neben den Kolonien oder Nordamerika wanderten die Bretonen in die großen Städte, vor allem nach Paris.
Das Bretonische – eine keltische Sprache, die mit dem Französischen nichts zu tun hat – wurde verächtlich gemacht, die Bretonen waren die, die gerade mal ein wenig Französisch daherstottern konnten. In den Schulen wurde die Sprache verboten. Für die Bretonen waren die Franzosen die „Pariser“, arrogant und unverständlich. Es entstand die Figur der „Bécassine“, eine Karikatur des einfältigen bretonischen Dienstmädchens.
Heute ist die bretonische Sprache darauf angewiesen, dass Leute sie wieder erlernen und aus Idealismus und Heimatverbundenheit pflegen. Wirklich leben tut sie nicht mehr.
Literarisch sind diese Befindlichkeiten immer noch sehr präsent. Der französische Schriftsteller Le Clézio hat in „Bretonisches Lied“ seine Kindheitserinnerungen an die Ferien in der Bretagne (woher die Le Clézios wohl ursprünglich stammen) niedergeschrieben und beschreibt den Wandel zwischen den 1950er-Jahren und heute. Claire Léost beschreibt in „Le passage de l’été“ das Schicksal dreier bretonischer Frauen über die Jahrzehnte.
Eigentlich gibt es zwei Bretagnen: Die Bretagne des Meeres, „Armor“, und der schroffen Küsten und die Bretagne des Binnenlandes, das „Argoat“. Kaum zu glauben, dass es früher Bretonen gab, die nie das Meer gesehen haben, weil sie ihr Leben in ihrem Dorf verbracht und die Reise zu der 30 km entfernten Küste nie gemacht haben.
Was ist heute die Bretagne für den Reisenden? Jenseits von Badeurlaub und „Commissaire Dupin“? Es ist für mich in erster Linie das Land des Meeres, der Seefahrer, der Fischer. Dieser kühne Sporn im Atlantik, nur noch übertroffen durch die vorgelagerte Insel Ouessant. Es ist die Côte sauvage von Quiberon. Es ist das Land der Leuchttürme, darunter Ar-men und de la Jument, die zu den abenteuerlichsten überhaupt zählen.
Le Phare d’Eckmühl
Ganz im Südwesten der Bretagne steht der Phare d’Eckmühl.
Der Prince d’Eckmühl hat seinen Titel von seiner Teilnahme an der Schlacht von Eggmühl (Bayern) 1809 unter Napoleon. Seine Erbin wollte jedoch nicht, dass der Name mit Krieg und Tod in Verbindung bliebe, und finanzierte daher den Leuchtturm, der an der bretonischen Küste für Sicherheit auf See sorgen sollte.